Mittwoch, 30. November 2016

Der samische Schriftsteller Johan Turi

Johan Turi, dessen Familienname auch Thuuri und Thuri geschrieben wird, starb am 30. November 1936 im nordschwedischen Jukkasjärvi. Wer im dortigen Friedhof seinen Grabstein sucht, kann darauf lesen „Samernas författare“, der Schriftsteller der Samen, eine Aussage, die die Leistungen Turis für die samische Kultur kaum besser beschreiben könnte, denn Turi gilt als der Nationalskalde der Volksgruppe und ist der erste Schriftsteller der Samen, der zum einen in der samischen Sprache schrieb, zum anderen über das Leben dieses Volkes schrieb, das Zeit seines Lebens nur diskriminiert wurde und für schwedischen Autoren ein Randthema war.

Johan Turi war am 10. März 1854 im norwegischen Kautokeino zur Welt gekommen und kam, wie viele andere Samen zu Beginn der 80er Jahre nach Schweden, nachdem die Russen 1852 die Grenzen nach Finnland auch für Rentiere geschlossen hatten, und er ließ sich im Samendorf Talma nieder. Obwohl Turi keinerlei Schulbildung hatte, hatte er sehr früh den Wunsch ein Buch über das Leben der Gebirgssamen zu schreiben. Diesen Wunsch konnte sich Johan Turi erst 1910 erfüllen, denn erst musste Turi das Schreiben erlernen und anschließend auch noch mit den Vorurteilen der eigenen Volksgruppe kämpfen, denn die Idee ein Buch zu schreiben, fand man absurd, da man ein Buch über das samische Leben um diese Zeit kaum in Schweden veröffentlichen konnte und die Idee daher geradezu als unsinnig betrachtet wurde.

Johan Turis erstes Werk, Muitalus sámiid birra, wäre vermutlich für immer ein Traum geblieben, wenn er nicht 1904 die dänische Schriftstellerin Emilie Demant-Hatt kennengelernt hätte, denn Turi half der Schriftstellerin dabei ein Jahr lang unter den Samen leben zu können, und sie versprach ihm dafür ihm bei seinem Buch zu helfen. 1907 zog die Schriftstellerin dann für einige Monate zu Turi und half ihm nicht nur bei der Arbeit an seinem Buch, sondern sortierte auch die unzähligen Aufzeichnungen und bat Hjalmar Lundblom, einen ihrer Freunde, das Buch, dem sie eine dänische Übersetzung beifügte, zu veröffentlichen. Diesem Werk, das Johan Turi auch bebilderte, sollten noch zwei weitere Bücher folgen, die dabei halfen die samische Kultur besser zu verstehen und späteren samischen Schriftstellern den Weg öffnete.


30. November 1718: Karl XII., der „Kriegskönig“ Schwedens
30. November 1833: Artur Hazelius, das Nordische Museum und Skansen
30. November 1868: August Blanche und das Stockholmer
30. November 1888: Die Markthalle auf Östermalm in Stockholm
30. November 1977: 67 Häuser verschwinden bei einem Erdrutsch bei Göteborg
30. November 2005: Der Komiker, Sänger und Schauspieler Mikael Dubois
30. November 2010: Der Kåldolmens dag, der schwedische Tag der Kohlrouladen 

Copyright: Herbert Kårlin

Dienstag, 29. November 2016

Der schwedische Erzbischof Johannes Canuti Lenaeus

Johannes Canuti Lenaeus wurde am 29. November 1573 in Lena im Uppland als Sohn eines Hofpredigers geboren und studierte nach dem Besuch der Kathedralschule in Uppsala ab 1597 Theologie und Philosophie an der Universität Uppsala. Nach zwei Jahren in Uppsala wechselte Lenaeus für einige Jahre an die Universität in Wittenberg, da dort die neusten philosophischen Strömungen unterrichtet wurden. Gleichzeitig mit Johannes Rudbeckius wurde Lenaeus jedoch zwei Jahre später nach Schweden zurückgerufen um zu erklären welche tatsächlichen Beziehungen er zu den mutmaßlichen Feinden von Herzog Karl, dem späteren Karl IX. hatte.

Johannes Canuti Lenaeus und Johannes Rudbeckius, die beide gleichzeitig Professoren an der Universität Uppsala waren, gehörten zur Gruppe der Neoaristotelisten und widersetzten sich daher der Gruppe der konservativen Gruppe an der Universität, was sich insbesondere auch dadurch ausdrückte, dass Lenaeus die staatliche und die kirchliche Macht trennen wollte und auch davon ausging, dass die reine Logik auch innerhalb der Theologie ihre Gültigkeit habe. Diese damals moderne Warte innerhalb der Theologie machte Lenaeus weit über die Grenzen Schwedens hinaus bekannt und sein Werk De Veritate et Excellentia Christianae Religionis, Brevis informatio im Jahre 1638 wurde daher in zahlreiche Sprachen übersetzt.

Obwohl Johannes Canuti Lenaeus sich gegen den Versuch des Königs und des Adels wehrte, die mehr Einfluss auf die Kirche ausüben wollten, und obwohl der Theologe kein echter Neuerer der Lehre war, gilt er als eine wichtige Figur während des Beginns der Großmachtszeit Schwedens, da er zu jenen Personen gehörte, die mit der früheren konservativen Strömung der Theologie abgeschlossen hatten. Trotz bedeutenden Widerstands wurde Lenaeus 1647 zum Erzbischof Schwedens ernannt und stand damit auch dem Königshaus nahe. In der Eigenschaft als Erzbischof krönte der Theologe auch Königin Kristina und Karl X. Gustav. Nach seinem bedeutendsten Werk De jure Regio, zeigte ihm zwar Königin Kristina vorübergehend die kalte Schulter, da sich Lenaeus in diesem Werk für die konstitutionelle Theokratie ausgesprochen hatte, aber da das Werk von sämtlichen Priestern des Landes, die nicht in den Adelsstand aufgenommen worden waren, als Meisterwerk betrachtet wurde, war der Erzbischof ab dieser Zeit gewissermaßen unantastbar und ein wichtiges Bindeglied zwischen Adel und Volk.


29. November 1772: Der schwedische Philosoph Carl Mesterton
29. November 1927: Das erste Telefongespräch von Stockholm nach New York
29. November 1937: Tom Trana, mit Volvo und einer Kurventechnik zum Erfolg
29. November 1940: Die Gründung des Studienverbands Medborgarskolan
29. November 1958: Der schwedische Sänger und Musiker Orup
29. November 2011: Marianne Zetterström, die Autorin der wenigen Worte

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Montag, 28. November 2016

Die deutsch-schwedische Künstlerin Lotte Laserstein

Lotte Laserstein kam am 28. November 1898 als Tochter eines Apothekers in Preußisch Holland, dem heutigen Polen, zur Welt, wuchs jedoch mit ihrer Mutter in Dresden und Berlin auf, da der Vater bereits 1902 starb. Als Laserstein 1927 ihr Kunststudium in Berlin abgeschlossen hatte, machte sich die Künstlerin einen Namen als Porträtmalerin und entwickelte sich zu einer der bedeutendsten Vertreterinnen der Malerei der Weimarer Republik. Ihrem Aufstieg sollte jedoch ihre jüdische Herkunft der Nationalsozialismus in Deutschland ein Ende setzen, denn ab 1933 wurde es für Laserstein nicht nur immer schwieriger Aufträge zu erhalten, sondern an Ausstellungen war nun nicht einmal mehr zu denken.

Eine Ausstellung in der Galerie Moderne in Stockholm im Jahre 1937 sollte dann das Leben von Lotte Laserstein von Grund auf verändern, denn durch eine Scheinehe gelang es ihr die schwedische Staatsbürgerschaft zu erhalten und konnte sich als Künstlerin in Stockholm niederlassen. Da sie jedoch keine Genehmigung erhielt ihre Mutter nachzuholen, starb diese 1943 im Konzentrationslager Ravensbrück, einer der Gründe warum Laserstein auch nach dem Krieg nicht mehr Deutschland zurückkehren wollte. Auch in Schweden arbeitete Laserstein vor allem an Porträts, die, unter vielen anderen, auch Torgny Segerstedt und Natanael Beskow darstellen.

Allerdings gelang es Lotte Laserstein bis zu ihrem Lebensende am 21. Januar 1993 in Kalmar nicht mehr an den Erfolg der beginnenden 30er Jahre anzuknüpfen, denn auch wenn eine Ausstellung im Jahre 1987 in London Aufmerksamkeit erweckte, so sollte Laserstein erst 2005 wieder in aller Munde sein, als das Judiska Museet in Stockholm ihre Gemälde ausstellte und parallel dazu die deutsch-schwedische Nobelpreisträgerin Nelly Sachs würdigte und dabei auf das Problem von Künstlern während der Diktatur Hitlers aufmerksam machte. Als dann 2010 eines der Meisterwerke Lasersteins bei Sotheby's in London angeboten wurde, ging das Gemälde „Abend über Potsdam“ für knapp fünf Millionen Kronen an die Neue Nationalgalerie in Berlin, wo das Meisterwerk noch heute zu finden ist.


28. November 1718: Hedvig Charlotta Nordenflycht, die erste Feministin Schwedens
28. November 1773: Die Adolf-Friedrich-Kirche (Adolf Fredriks Kyrka) in Stockholm
28. November 1793: Carl Jonas Love Almqvist, ein Revolutionär zur falschen Zeit
28. November 1811: Oscar Patric Sturzen-Becker, ein literarischer Revolutionär
28. November 1898: Die schwedische Lebensrettungsgesellschaft
28. November 1906: Oskar Andersson, der erste Comiczeichner Schwedens
28. November 1927: Die Komponistin und Musikerin Gullan Bornemark 
28. November 1935: Der schwedische Künstler Georg Pauli
28. November 1972: Prinzessin Sibylla von Sachsen-Coburg-Gotha

Copyright: Herbert Kårlin

Sonntag, 27. November 2016

Der schwedische Glaskünstler Vicke Lindstrand

Vicke Lindstrand kam am 27. November 1904 mit dem Vornamen Viktor als Sohn eines Malers in Göteborg zur Welt und machte nach dem Hauptschulabschluss eine Lehre als Buchbinder, was ihn jedoch wenig begeisterte, denn noch 1918 schrieb er sich in Abendkursen der Schule der Slöjdföreningen ein um sich zum Werbezeichner auszubilden zu lassen. Nach Ende der Ausbildung zeichnete Lindstrand acht Jahre lang Werbeschilder und arbeitete zudem als Karikaturist für die Göteborgs-Posten und die Göteborgs Handels- och Sjöfartstidning. Als Lindstrand 1928 den Glasdesigner Simon Gate traf, sollte der Künstler jedoch seine Berufung finden, denn Gate verhalf ihm zu einer Anstellung bei der Glashütte Orrefors.

Die erste Zeit arbeitete Vicke Lindstrand in verschiedenen Bereichen von Orrefors und arbeitete, unter anderem, auch mit Edward Hald und Elsa Gullberg zusammen. Sehr bald begann er jedoch mit den verschiedensten Glastechniken zu experimentieren und erneuerte die Techniken die bis dahin bei Orrefors angewendet wurden. Der Durchbruch kam für Lindstrand dann bereits im Jahre 1939, denn nachdem er zwei Jahre vorher bereits die Glasfenster des Konzerthauses in Göteborg und die Fenster der Dreifaltigkeitskirche in Gävle geschaffen hatte, stellte er nun das Fenster Tekniken och Framtiden bei der Pariser Weltfachausstellung und schuf seine erste Skulptur, einen Springbrunnen aus Kristall, den er im gleichen Jahr in der Weltausstellung in New York präsentierte.

Auch als Vicke Lindstrand zwölf Jahre später zu Upsala-Ekeby AB wechselte und 1950 dann zur Glashütte Kosta als künstlerischer Direktor kam, blieben die Skulpturen des Künstlers im Zentrum seines Schaffens. In diesem Zusammenhang darf man nicht vergessen dass der in New York ausgestellte Springbrunnen drei Meter hoch war und sechs Tonnen wog, zudem das Kristall einen geheimen Schimmer ausstrahlte. Es war daher nicht verwunderlich dass Lindstrand dann 1964 in Stuttgart die neun Meter hohe Nadel des Ikaros herstellen durfte und der Künstler 1967 mit der 11,5 Meter hohen Prisma genannten Glasskulptur in Norrköping das größte Glaskunstwerk weltweit schuf. Die letzte Glasskulptur Lindstrands, der am 7. Mai 1983 in Kosta starb, wurde dann eine Glasskulptur im Theaterpark in Växjö.


27. November 1640: Freiherr Gabriel Gustafsson Oxenstierna
27. November 1701: Anders Celsius und die Celsius-Skala

27. November 1854: Louis De Geer, ein entscheidungsunwilliger Ministerpräsident
27. November 1907: Astrid, die Entwicklung eines altnordischen Namens

27. November 1937: Der schwedische Ministerpräsident Felix Hamrin
27. November 1949: Åsa-Nisse, der Kino-Erfolg Schwedens
27. November 1984: Die schwedische Sängerin Sanna Nielsen

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 26. November 2016

Der schwedische Erzbischof Johan August Ekman

Johan August Ekman wurde am 26. November 1845 als Sohn eines Husaren im Leibregiment in Hjälstad geboren und wuchs daher in sehr bescheidenen Verhältnissen auf. Auch wenn der Vater geplant hatte seinem Sohn eine bessere Bildung zu beschaffen als er selbst aufwies, zeigten sich im Gymnasium bald Probleme, denn um seine Studien finanzieren zu können, musste der junge Ekman jüngeren Schülern Nachhilfeunterricht geben und die eigenen Studien etwas vernachlässigen. Auf Grund seiner hohen Intelligenz gelang es Ekman jedoch 1865 die Hochschulreife in Skara abzulegen um anschließend ein theologisches Studium an der Universität Uppsala zu beginnen.

Auch die Studien in Uppsala zogen sich für Johan August Ekman hin, denn nun musste er, neben seinem Studium, als Privatlehrer arbeiten. Bereits 1873 wurde Ekman zum Priester geweiht, drei Jahre später schloss er das Studium mit einer Kandidatur ab und 1893 legte er dann auch seine Doktorarbeit vor. Nachdem Ekman einige Jahre lang als Theologieprofessor an der Universität Uppsala gearbeitet hatte, wurde er 1898 zum Bischof in Västerås ernannt und nur zwei Jahre später zum Erzbischof Schwedens. Auch wenn diese Beförderungen ihren logischen Weg gingen, so hatte Ekman in diesen Jahren mit mehreren beruflichen Rückschlägen zu tun, da man an seiner Einstellung zur klassischen Theologie, die jedes Neudenken ablehnte, teilweise zweifelte.

Mit der Ernennung von Johan August Ekman zum Bischof wurde der Theologe gleichzeitig Vizekanzler der Universität Uppsala und erhielt das Pastorat Billing, Ämter, die er bis zu seinem Tod am 30. November 1913 in Uppsala innehatte. Im Gegensatz zu der Mehrheit der schwedischen Erzbischöfe war Ekman kein Veränderer und nutze seinen Einfluss auch nicht politisch aus, sondern verband Menschlichkeit mit einem tiefen religiösen Bibelglauben, wobei Ekman allerdings auch das Problem hatte dass gerade um diese Zeit der Einfluss eines Erzbischofs sowohl in den Schulen als auch an der Universität abnahm, da man davon ausging dass kirchliche Gedanken von weltlichen Gedanken getrennt werden mussten. Als Schriftsteller setzte sich Ekman dafür ein Glaube, Kirche und Wissenschaft zu vereinen, denn er ging davon aus dass sich diese drei Gebiete ergänzen und sich in keinem Punkt widersprechen.


26. November 1751: König Adolf Fredrik, ein Herrscher ohne Macht
26. November 1803: Die schwedische Schriftstellerin Wilhelmina Ståhlberg
26. November 1867: Hans Jakob Lundborg und die Erweckungsbewegungen
26. November 1939: Die Götaälvbron in Göteborg als Bindeglied
26. November 1951: Bruno K. Öijer, das enfant terrible der schwedischen Poesie
26. November 1952: Sven Hedin, Abenteurer und Schriftsteller in fernen Ländern
26. November 1952: Der letzte Geadelte Schwedens: Sven Anders Hedin
26. November 1962: Der schwedische Schauspieler und Regisseur Hannes Holm
26. November 1970: Sigfrid Siwertz und die konservative Bourgoisie Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin

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Freitag, 25. November 2016

Die Künstlerin und Schriftstellerin Sofia Ahlbom

Sofia Ahlbom, die auch Sophie Ahlbom geschrieben wird, kam am 25. November 1803 als Tochter eines Goldschmieds in Västerås zur Welt. Schon als sehr junges Mädchen war Ahlbom vom Zeichnen fasziniert, wobei ihre Detailtreue auch dem Kupfergraveur Lars Grandell auffiel, der als bereits 80-jähirger Ahlborn im Zeichnen und der Gravur unterrichtete, da um diese Zeit Frauen noch nicht in der Kunstakademie oder entsprechenden Einrichtungen aufgenommen wurden. Die Verbindung zu Grandell und die hohe Leistung Ahlboms führten sehr bald dazu dass die junge Frau in Västerås als Künstlerin anerkannt wurde und dort zahlreiche Aufträge erhielt.

Als Sofia Ahlbom 19 Jahre alt war, starb der Vater und Ahlbom gründete, gemeinsam mit ihrer Schwester, eine Mädchenschule, ohne jedoch ihre Arbeit als Graveurin aufzugeben. 1832 schloss die Schule wieder und Ahlbom zog mit ihrer Mutter und ihren Geschwistern nach Stockholm, da dort ein Künstler weitaus mehr Möglichkeiten hatte als in Västerås, wobei dieser Umzug nur dank der Unterstützung einer reichen Bekannten möglich war. Die Lithographin Ahlbom hinterließ aus dieser Zeit eine gravierte Stadtkarte von Stockholm und von Visby, die etwas später zu Aufträgen der schwedischen Navigationsschule führten. Auch wenn die Lithografien Ahlbom einige Preise einbrachten, so arbeitete die Künstlerin auch mit Kupfer, Silber und Gold und schuf Werke, die mehr für den Privatgebrauch geeignet waren.

Als Sofia Ahlbom von einem längeren Studienaufenthalt in Frankreich zurückkehrte, wo sie sich insbesondere mit Lithographie beschäftigt hatte, fügte sie ihrer Tätigkeit als Graveurin und Schriftstellerin die Fotografie hinzu und begann sich intensiv für die Rechte der Frauen einzusetzen. Ahlbom kämpfte in diesem Punkt insbesondere für das Pensionsrecht von Lehrerinnen, denn auch wenn es in jener Zeit für eine unverheiratete Frau möglich war in einigen wenigen Berufen ihren Lebensunterhalt zu verdienen, so galt das Pensionsrecht ursprünglich nur für Männer, was unverheiratete Frauen völlig abhängig von ihrer Familie machte oder zu Armut führte. Auch wenn Ahlbom, eine Freundin von Fredrika Bremer, eine sehr wichtige Rolle in der Frauenbewegung Schwedens spielte, so ist die Künstlerin heute nahezu vergessen.


25. November 1620: Gustav II. Adolf geht eine politische Ehe ein
25. November 1786: Anders Magnus Strinnholm und die schwedische Geschichte
25. November 1909: Oscar Fredrik Wijkman, der „Gottvater“ von Västerås
25. November 1974: Das Industriemuseum Bergvik
25. November 1994: Ein Katastrophenkrankenhaus in Stockholm
25. November 2010: Die letzte Reise der HMS Visborg (A265)

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 24. November 2016

Eksjö im Småland erhält die Stadtrechte

Eksjö gehört zu den am besten erhaltenen Holzstädten Schweden mit 38 historischen Holzgebäuden, die teilweise bis zum 16. Jahrhundert zurückreichen. Nur wenige Kilometer davon entfernt, in Ingatorp, liegt sogar das vermutlich weltweit älteste Holzhaus, das schon vor 800 Jahren gebaut wurde. Während die Geschichte der Holzstadt Eksjö ab dem 16. Jahrhundert sehr leicht zu verfolgen ist, so ist die Gründung der Stadt nahezu im Dunkeln verborgen, auch wenn die Stadt ihre 600-jährigen Stadtrechte im Jahr 2003 feierte. Bis heute ist es jedoch unmöglich zu beweisen wann Eksjö wirklich zur Stadt erhoben wurde.

Wann die Umgebung von Eksjö besiedelt wurde, ist ebenso unklar wie das Datum der Stadtprivilegien. Schriftlich erwähnt wird der Ort im Småland erstmals im 14. Jahrhundert, als Eksjö als Thingplatz genannt wird. Das nächste bedeutende Dokument wurde dann im Jahre 1406 unterschrieben, in einem Kaufvertrag bei dem zwei der Zeugen nicht ihre eigenen Siegel verwendeten, sondern ein Siegel, das offiziell nur Städte haben durften, weswegen einige Geschichtswissenschaftler den Rückschluss zogen dass entweder Königin Margareta oder König Erik (Erich von Pommern) Eksjö zu Beginn des 15. Jahrhunderts die Stadtprivilegien verliehen haben, aber in der Tat können die Stadtrechte Eksjös auch weitaus älter sein.

Selbst wenn diese Hypothesen glaubhaft sind, so kann das tatsächliche Stadtsiegel erstmals am 24. November 1439 auf einem Dokument anlässlich einer Gerichtsversammlung nachgewiesen werden. Als der Stadtrat Eksjös ein Jahr später um die Stadtrechte ansuchte, da hierüber keine Papiere gefunden wurden, teilte ihnen der Reichsvorsteher Karl Knutsson, auch als König Karl Knutsson bekannt, mit dass dies nicht möglich sei, da Eksjö bereits als Stadt anerkannt wurde, gemäß Knutsson ausgestellt von König Erik. Noch zweimal wandte sich Eksjö dann an Könige, aber sowohl 1452 als auch 1526 kam die gleiche Antwort, was bedeutet dass Eksjö spätestens 1404 tatsächlich die Stadtprivilegien erhalten haben muss, aber vielleicht auch schon sehr viele Jahre früher.


24. November 1655: Die Krönung des Königs Karl XI. In der Domkirche in Uppsala
24. November 1715: Hedvig Eleonora an der Spitze des schwedischen Reiches
24. November 1741: Ulrika Eleonora wird nach dem Tod von Karl XII. Königin
24. November 1825: Der Palast Makalös in Stockholm brennt ab
24. November 1934: Der Schauspieler und Sänger Sven-Bertil Taube 
24. November 1939: Marit Paulsen, von der Arbeiterliteratur zur Politik
24. November 1944: Die Fähre S/S Hansa wird in der Ostsee versenkt
24. November 1985: Das Lustige Haus in Gröna Lund brennt ab

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Mittwoch, 23. November 2016

Der schwedische Architekt Torsten Hansson

Torsten Hansson kam am 23. November 1928 in Göteborg zur Welt und studierte nach seiner Hochschulreife Architektur an der Technischen Hochschule Chalmers in Göteborg. Nach Abschluss seines Studiums fand der Architekt eine Anstellung bei HSB, der grössten Baukooperative Schwedens und wurde dadurch Teil der Bewegung zum schwedischen Folkhemmet. Die Aufgabe Hanssons war daher für möglichst viele Personen eine Wohnfläche zu schaffen, die einerseits modern und praktisch für die Zeit waren, zum anderen jedoch auch billig sein mussten. Eines seiner größeren Projekte war das Schaffen des Stadtteils Biskopsgården in Göteborg.

Die Architektur Torsten Hanssons zeichnete sich vor allem durch seine Funktionalität aus, unter anderem beim Bau von Schulen, denn die Philosophie des Architekten war, dass einfache Bauten ohne jede Ausschmückung billiger waren und dadurch mit gleichem Geld mehr Fläche geschaffen werden konnte, was von seiner Warte aus eine sinnvolle Idee war, jedoch in der Gegenwart, insbesondere bei Mietwohnungen, dazu führt, dass diese sehr einfachen Bauten für sehr viel Geld den aktuellen Bedingungen angepasst werden müssen, die Eigentümer der Bauten dafür jedoch kein Geld zurücklegten.

Dass Torsten Hansson, der auch als Politiker und Schriftsteller in Göteborg tätig war, trotz seiner relativ einfachen Bauten in die Geschichte der Architektur einging, liegt vor allem an seinen Theorien und Bauten, die ab den 60er Jahren entstanden, als Hansson über ein eigenes Architekturbüro verfügte und im Stadtrat in Göteborg auch einen gewissen Einfluss errungen hatte. In diesen Jahren schuf Torsten Hansson einige Kirchen für ärmere Kirchengemeinden Göteborgs und griff dabei zur Modulbauweise, was zu sehr simplen Kirchen führte in denen Gottesdienst und Versammlung im Zentrum standen, nicht der Bau als solches. In diesen Jahren kamen Hansson auch Zweifel am sogenannten Millionenprogramm des Wohnungsbaus und er kritisierte insbesondere die Stadtplanung und die Bauweise im Stadtteil Angered, die dann auch auf Hammarkullen und andere Randgebiete Göteborgs übergriffen.


23. November 1607: Reichsrat Mauritz Stensson Leijonhufvud
23. November 1833: Hausangestellte auf dem Lande in Schweden
23. November 1858: Albert Ranft, ein ungewöhnlicher Theaterdirektor Schwedens
23. November 1860: Hjalmar Branting verändert Schweden
23. November 1879: Die schwedische Künstlerin Sigrid Fridman
23. November 1899: Der moderne schwedische Künstler Sven Eriksson
23. November 1904: Die Skansen Kronan in Göteborg
23. November 1910: Der Tod durch die Guillotine in Schweden

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Dienstag, 22. November 2016

Svenskarnas Parti, die Partei der Schweden

Am 22. November 2008 wurde in Schweden die Partei Nationalsozialistische Front aufgelöst, und entstand am gleichen Tag erneut unter der neuen Bezeichnung Folkfronten (Svenskarnas Parti, die Partei der Schweden). Auch wenn die Führungsgruppe und die Mitglieder mit jenen der vorhergehenden Partei nahezu identisch waren, so gab es einen wichtigen Unterschied, denn während die frühere Partei zum Nationalsozialismus nach deutschem Vorbild gestrebt hatte, gab sich die Svenskarnas Parti lediglich als nationalistisch und wollte nach außen zeigen dass sich die Partei für die Bewahrung des kulturellen Erbes Schwedens einsetzte.

Die Namensänderung von Nationalsocialistisk Front in Folkfronten, die jedoch bereits ein Jahr später in Svenskarnas Parti geändert wurde, konnte der Partei beim Volk zu einem gewissen Aufschwung helfen, während die schwedische Sicherheitspolizei jedoch davon ausging dass sich innerhalb der Partei und seiner Ziele nichts geändert hatte und die Gruppe nach wie vor der Weißen Macht nahestand. Dies beruhte nicht nur auf der Übernahme des alten Parteibüros, sondern in den Statuten der Svenskarnas Parti konnte man auch lesen dass der nationalistische Einsatz auf genetischer Basis erfolgen wird und auch die schwedische Staatsbürgerschaft nur auf genetischer Basis erworben werden kann.

Die Svenskarnas Parti konnte bei den Kommunalwahlen 2010 einige Sitze in den Stadträten erringen, wobei sich jedoch bereits nach wenigen Monaten herausstellte, dass Daniel Höglund, eine der wichtigsten Personen der Partei, auf falscher Basis in den Stadtrat von Grästorp gewählt worden war, da er dort keinen offiziellen Wohnsitz hatte. Sein Platz blieb daher bald leer. Als dann auch noch bekannt wurde dass etwa ein Drittel aller Mitglieder der Partei vorbestraft waren, häufig wegen Gewaltdelikten, verschwanden auch die neuen Wähler der Svenskarnas Parti bald wieder. Das Fiasko bei den kommenden Wahlen des Jahres 2014 führte dann dazu dass die Partei, die ein ethnisch homogenes Schweden schaffen wollte, im Mai 2015 aufgelöst wurde, und damit auch den Weg für die Sverigedemokraterne weiter öffnete.


22. November 1595: Das Vadstena Kloster wird aufgelöst
22. November 1758: Carl Birger Rutström, Reichsantiquar und Medizinalrat
22. November 1844: Oscar Norén und die Entstehung des Svenska Dagbladet
22. November 1900: Der Schriftsteller und Regisseur Harald Molander
22. November 1906: Ernst Josephson, der Künster des Wahnsinns
22. November 1977: Die nordschwedische Sängerin Annika Norlin
22. November 2009: Thomas Brylla, Sport im Jugendbuch und im Kriminalroman

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Montag, 21. November 2016

Der Politiker und Generalmajor Thure Gustaf Rudbeck

Thure Gustaf Rudbeck kam am 21. November 1714 als Sohn eines Militärs in Västerberga im Uppland zur Welt, wurde jedoch, da sein Vater bereits zwei Jahre nach der Geburt des Jungen starb, von seinem Großvater, dem Sprach- und Naturwissenschaftler Olof Rudbeck, erzogen. Nach einigen Jahren an der Universität Uppsala gab Rudbeck jedoch sein Studium ohne jeden Abschluss auf um 1731 eine militärische Laufbahn zu beginnen. Acht Jahre später machte Rudbeck seine Offiziersprüfung und schon 1742 zeigte er seine militärischen Fähigkeiten bei der Verteidigung Ålands während des Finnischen Krieges und wurde daher wenig später zum Leutnant ernannt.

Nach seinem Erfolg in Åland ging Thure Gustaf Rudbeck nach Stockholm, genau zu jener Zeit als die Dalkalarna die schwedische Hauptstadt besetzten. Hier gelang es ihm während der drei Tage dauernden Besetzung die Brücke nach Riddarholm, wo sich die Königsfamilie befand, gegen die Eindringlinge zu verteidigen. Zum Dank dafür erhielt er von König Fredrik I. (Friedrich I.) nicht nur eine größere Geldsumme, sondern wurde auch bald darauf zum Major im Regiment Uppland ernannt, und Rudbeck wurde ein Günstling des Königshofes, was ihm einen gewissen Einfluss brachte.

Noch bedeutender für Thure Gustaf Rudbeck waren allerdings die finanziellen Vorteile seines Einflusses und seines Ranges, denn 1757 gelang es ihm dadurch das Schloss Edsberg zu erwerben, das anschließend rund 200 Jahre lang Familienbesitz bleiben sollte. Rudbeck ließ nach dem Kauf die vorhandenen Holzgebäude abreißen um diese durch einen soliden Steinbau zu ersetzen. Auch wenn das Schloss, das heute Sollentuna gehört, bereits 1955 verkauft werden musste, konnten die Erben Rudbecks noch bis 1979 im westlichen Flügel des Schlosses wohnen. Ab den 90er Jahren wurde Schloss Edsberg renoviert und seit 2006 sind einige Teile auch für die Öffentlichkeit zugänglich. Heute sind die Nachfahren des Militärs Thure Gustaf Rudbeck, der am 8. Januar 1786 auf Schloss Edberg starb, finanziell wieder in einer ähnlichen Situation wie der Feldherr vor seinem Aufstieg.


21. November 1875: Der schwedische Künstler Gottfrid Larsson
21. November 1921: Die schwedische Sängerin Kristina Nilsson erobert sie Welt
21. November 1928: Esaias Tegnér der Jüngere und die Rechtschreibreform
21. November 2003: The Pirate Bay, ein Feind der Plattenindustrie
21. November 2005: Ein Tag ohne Musik in Schweden
21. November 2014: Das Kulturhaus Väven in Umeå 

Copyright: Herbert Kårlin

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Sonntag, 20. November 2016

Der schwedische Regisseur Ivar Johansson

Ivar Johansson kam am 20. November 1889 als Sohn eines Postbeamten in Stråtjära im Hälsingland zur Welt und studierte nach seiner Hochschulreife an der Hochschule in Stockholm Geisteswissenschaften. Nachdem Johansson einige Jahre lang als freier Journalist gearbeitet hatte, erhielt er 1916 einen ersten Vertrag beim Film, als Redakteur von Texten von Stummfilmen. Da sich Johansson jedoch für den gesamten Produktionsprozess beim Film interessierte,so wurde er bald Cutter, begann Manuskripte zu schreiben und landete 1921 letztendlich als Regisseur seines ersten Filmes. Der erste Film Ivar Johanssons wurde Filmrevyn, eine Stummfilmdokumentation bei der aktuelle Ereignisse Schwedens, begleitet von Zeichnungen des Künstlers Nils Melander, kommentiert wurden, also mehr ein redaktionelle Arbeit als tatsächlich eine Regie.

Nach zahlreichen weiteren Manuskripten zu Stummfilmen erhielt Ivar Johansson dann acht Jahre später die Chance die Regie für den Spielfilm Rågens rike zu übernehmen, ein ländliches Drama nach dem gleichnamigen Gedicht von Jarl Hemmer. Johansson, der hier ein Meisterwerk des Stummfilms geschaffen hatte, hatte jedoch das Pech dass am Tag der Premiere auch der erste schwedische Tonfilm Premiere hatte und daher die gesamte Aufmerksamkeit auf sich zog. Das Thema des Films Rågens rike sollte Johansson allerdings verfolgen, denn 1950 drehte er eine neue Version von Rågens rike, dieses Mal jedoch als Tonfilm.

Rågens rike war jedoch nur der Auftakt für Ivar Johansson, denn während der kommenden 27 Jahre war er bei 37 Filmen als Regisseur tätig. Die Stärke zeigte Johansson bei Filmen, die im ländlichen Milieu spielten, das er persönlich sehr gut kannte. Dadurch konnte der Regisseur auch weitgehend die Klischees der Landbevölkerung vermeiden, auch wenn Johansson dabei die Neigung zeigte die Natur des Landes geradezu als Paradies darzustellen. Eine Ausnahme bildet das damals sehr zeitnahe Drama Gula Kliniken aus dem Jahre 1942, als Johansson die Problematik der Abtreibung behandelte, und so nebenbei auch noch dem Hauptdarsteller Arnold Sjöstrand seinen Stempel als schwedischer Filmliebhaber verpasste.


20. November 1700: Die Schlacht bei Narva und der schwedische Sieg
20. November 1858: Selma Lagerlöf, christliche Literatur und Frauenbewegung
20. November 1858: Selma Lagerlöf erhält den Nobelpreis der Literatur
20. November 1872: Lars Johan Hierta, der Gründer des schwedischen Aftonbladets
20. November 1918: Das Schicksal des Dampfers S/S Brahe
20. November 1918: John Bauer und die Sagenwelt Schwedens
20. November 1927: Wilhelm Stenhammar: Pianist, Komponist und Dirigent
20. November 1933: Per Wästberg und die Dritte Welt
20. November 1937: Der Pilz (Svampen) am Stureplan in Stockholm
20. November 1949: Ulf Lundell, Musiker und Schriftsteller
20. November 1955: Are Waerland, der Gesundheitsphilosoph Schwedens

Copyright: Herbert Kårlin

Samstag, 19. November 2016

Fotografins Rum, Fotokunst der Gegenwart, in Malmö

Fünf Jahre bevor das Fotografiska in Stockholm eingeweiht wurde und 16 Jahre nach der Entstehung des Hasselblad Centers in Göteborg entstand in Malmö mit dem Fotografiska Rum ein Zentrum der Gegenwartsfotografie in dem der Besucher nicht nur regelmäßig aktuelle Ausstellungen zu sehen bekommen sollte, sondern hier waren auch Seminare und Workshops zum Thema Fotografie gedacht. Als der Fotografins Rum am 19. November 2005 eingeweiht wurde, vorerst als dreijähriges Projekt, wies alles auf einen Erfolg, denn das Interesse für Fotografie wuchs in dieser Zeit in immer schnellerem Tempo.

Für den Fotografiska Rum wählte die Stadtverwaltung in Malmö ein kulturhistorisches Gebäude, nämlich das Kommendanthuset direkt am Malmöer Schloss, einen Bau, der im Auftrag von Gustav III. entstanden war und seine Bestimmung im Laufe der Zeit immer wieder änderte. Dem Raum der Fotografie war der gesamte erste Stock gewidmet. Für die Eröffnungsausstellung wählte man den italienischen Fotografen Paolo Pellegrin und den Finnen Jari Silomäki, zwei Fotografen, die die Gegenwart sehr deutlich in ihren Bildern ausdrücken und mit zu den besten Fotografen weltweit zählen.

Neun Jahre später kam dann jedoch die kalte Dusche für die zahlreichen Besucher des Fotografiska Rummet, denn die Stadtverwaltung musste sparen um den anderen Museen der Stadt die Entwicklung zu ermöglichen und entschied sich daher dazu den Fotografiska Rum so schnell wie möglich zu schließen. Die letzte Ausstellung sollte symbolträchtig sein, denn der schwedische Fotojournalist Anders Hansson hatte zehn Jahre lang Menschen auf der Flucht fotografiert und bekam die Chance bis zum 6. Januar 2015 eine Auswahl seiner Bilder im Fotografiska Rum zu zeigen, eine Ausstellung, die den Titel Flykt (Flucht) erhielt. Sicher sollte die Fotografie als Kunst in Malmö damit nicht begraben werden, aber ein entsprechendes Projekt wird wohl kaum neu entstehen.


19. November 1779: Der Aufstieg des Kaufmanns Jacob Graver
19. November 1889: Fritz Herman Eriksson und die öffentliche Kunst 
19. November 1915: Joe Hill, der berühmteste Schwede Amerikas
19. November 1919: Die schwedische Kinderhilfsorganisation Rädda Barnen
19. November 1973: Fünf Ameisen sind mehr als vier Elefanten

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden

Freitag, 18. November 2016

Der schwedische Holzgraveur Sven Bengtsson

Sven Bengtsson wurde am 18. November 1843 als Sohn eines Zimmermanns in Lund geboren und erlernte ebenfalls den Beruf des Vaters, begann sich dann jedoch sehr bald für die Holzbildhauerei zu interessieren und nahm ab den 60er Jahren an Kursen im Zeichnen und Malen an er Universität Lund teil, wo er den Maler Axel Hjalmar Lindqvist als Lehrer hatte. In diesen Jahren muss Bengtsson bereits seine Fähigkeiten als Holzschnitzer bewiesen haben, denn 1880 erhielt er vom Kammerkollegium ein Reisestipendium um in Deutschland Ornamentalbildhauerei zu studieren. Unmittelbar nach seiner Rückkehr nach Schweden richtete sich Bengtsson dann eine entsprechende Werkstatt in Lund ein.

Sven Bengtsson hatte sich, neben seiner Arbeit als Zimmermann, vor allem als Hersteller und Skulpteur von Möbeln beschäftigt, allerdings noch mehr als Handwerker als als Künstler, denn erst nach seinem Studienaufenthalt in Deutschland hatte er sich mit der dortigen Renaissance und Barockschnitzerei vertraut gemacht, verbunden mit Techniken, die Bengtsson dann in Schweden bekannt machte. Die künstlerische Leistung Bengtssons als Holzschnitzer ist leider nur durch sehr wenige Möbelstücke dokumentiert, da der Künstler sehr bald einen weiteren Schritt ging, der ihn in ganz Schweden bekannt machte.

Ende der 80er Jahre hatte Sven Bengtsson eine zusätzliche Ausbildung als Metallziseleur   erworben und sich dabei vor allem auf Kupferarbeiten spezialisiert. Die Menge der Aufträge in diesem Bereich führte dazu dass Bengtsson in den 90er Jahren einen Gesellen für die handwerklichen Arbeiten anstellen musste um sich selbst der künstlerischen Ausformung widmen zu können. Sehr viele der Kupferarbeiten Bengtssons sind heute in den verschiedensten Museen Schwedens zu entdecken, insbesondere Kandelaber und Portraitreliefs. Um zwei seiner bedeutendsten Arbeiten zu finden, muss man jedoch kein Museum besuchen, denn es handelt sich dabei um den Adler, der das Grabmonument John Ericssons in Filipstad krönt, und den Altaraufsatz in Kupfer in der Vasakirche in Göteborg.


18. November 1832: Adolf Erik Nordenskiöld, der Entdecker der Nordpassage
18. November 1844: Die inoffizielle schwedische Nationalhymne
18. November 1876: Der schwedische Künstler Olof Ahlberg
18. November 1888: Der schwedische Filmregisseur Gustaf Molander
18. November 1928: Der schwedische Stummfilmregisseur Mauritz Stiller
18. November 1944: Die revolutionäre Bischöfin Caroline Krook
18. November 2003: Ein Super Puma stürzt vor Göteborg ins Meer

Copyright: Herbert Kårlin

Donnerstag, 17. November 2016

Göteborg erhält die erste Wasserleitung

Als Gustav II. Adolf 1621 Göteborg gründete, so betrachtete er ausschließlich den militärischen Aspekt und er vernachlässigte dabei die Wasserversorgung der Bewohner, die sich mit dem Wasser der Kanäle knapp 200 Jahrelang waschen mussten und zum großen Teil auch das Trinkwasser hier entnahmen, was zu zahlreichen Krankheiten und Epidemien führte. Nur die reichste Schicht der Stadt hatte die Möglichkeit sich Wasser von einer Quelle in Kallebäck, das einige Kilometer außerhalb der Stadtmauer lag, zu holen, denn die Bewohner Kallebäcks hatten sehr schnell erkannt wie wertvoll das Quellwasser für Göteborg war und verkauften es letztendlich für Wucherpreise. Der einfache Bürger konnte sich daher von diesem Wasser nicht versorgen.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts kam dann erstmals die Idee auf von der Quelle in Kallebäck eine Wasserleitung zur Stadt innerhalb der Stadtmauer und des Wallgrabens zu bauen. Obwohl Niclas Sahlgren der Stadt eine bedeutende Summe für den Bau der Wasserleitung als Stiftung zur Verfügung stellte kamen erst 1780, nach dem Tode des Direktors der Ostindien-Kompanie, die Gespräche darüber wieder in Gang. Auf Initiative des Großhändlers Henry Greigh und des Kommerzienrates Daniel Petterson sammelte man Geld für das Unternehmen und 1786 konnte man mit dem Bau der Wasserleitung von Kallebäck nach Göteborg beginnen. Als die Leitung ein Jahr später fertiggestellt war, war dieses Ereignis so bedeutend dass diese an der Quelle in Kallebäck am 17. November 1787 von König Gustav III. eingeweiht wurde.

Diese erste Wasserleitung erreichte zuerst die Kungsportsbron, das wichtigste Stadttor Göteborgs, wo auch eine Zisterne aufgestellt wurde, anschließend eine Stelle an der Domkirche und schließlich auch noch den zentralen Marktplatz, den Gustav Adolfs Torg. Der Bau dieser Rohrleitung aus Holz verursachte allerdings auch ziemliche Probleme, da der Frost eine Gefahr für die Leitungen bildete, man diese jedoch nicht ganz oberirdisch bauen konnte und das Wasser im Winter permanent in Bewegung sein musste. Als sich die Wasserleitung jedoch bewährt hatte und ein Gesundheitsrisiko beseitigt war, so spaltete sich die Bevölkerung Göteborgs sehr schnell erneut in zwei Gruppen, denn die reichste Schichte erhielt die Genehmigung auf eigene Kosten von den Verteilstellen aus eine eigene Leitung bis zu ihren Häusern zu bauen und die anderen mussten weiterhin täglich mit ihren Gefäßen zu den Wasserstellen.


17. November 1587: Louis De Geer und die schwedische Industrialisierung
17. November 1592: König Johan III., der Bauherr Schwedens
17. November 1777: Der schwedische Künstler Johan Stålbom
17. November 1785: Julia Nyberg und die philanthropischen Balladen 
17. November 1862: Die Feministin und Politikerin Anna Bugge
17. November 1877: Hans Magnus Melin und die moderne Bibel Schwedens
17. November 1924: Maj-Briht Bergström-Walan, die erste Sexologin Schwedens
17. November 1967: Bo Bergman, zwischen Realismus und Belletristik
17. November 1971: 35 Jahre Hem till byn im schwedischen Fernsehen

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Mittwoch, 16. November 2016

Der schwedische Ministerpräsident Edvard Carleson

Edvard Carleson wurde am 16. November 1820 als Sohn eines Oberleutnants in Valstad im Östergötland geboren und war, vor der Staatsreform im Jahre 1876, der vorletzte Politiker Schwedens der den Titel Justitiestatsminister trug und damit gleichzeitig Ministerpräsident, Justizminister und Vorsitzender des Obersten Gerichtshofs war. Bereits sein Nachfolger, Louis De Geer der Ältere war nur kurze Zeit noch Justitiestatsminister um dann 1876 vom König als Ministerpräsident eingesetzt zu werden. Edvard Carleson war daher während seiner kurzen Amtszeit, nach dem König natürlich, die wichtigste Person Schwedens.

Edvard Carleson studierte Jura an der Universität Uppala um unmittelbar danach eine Karriere am Svea Oberlandesgericht zu beginnen, wo er auch ab 1860 zum Richter ernannt wurde. Carleson verkehrte in diesen Jahren vor allem in liberalen Kreisen und war ein Fürsprecher der Religionsfreiheit  und der feien Wirtschaft, die die Macht und den Einfluss Schwedens stärken sollten. Der politische Einfluss Carlesons war indes bis 1875 relativ eingeschränkt, auch wenn er als Adeliger und Ritter bereits ab 1850 im Reichstag vertreten war. 1875 wurde Carleson dann von Oscar II. zum Justitiestatsminister ernannt und stand an der Spitze der Macht in Schweden.

Warum Oscar II. ausgerechnet Edvard Carleson dieses Amt anvertraute, lag vermutlich an seiner liberalen Einstellung und der Hoffnung des Königs dass dieser dadurch positiv auf das Volk einwirken könne, denn die Zeit war turbulent, da die Industrialisierung des Landes auch zur Armut führte, die Arbeiterbewegung wuchs und Schweden zudem in eine finanzielle Krise geriet. Sehr schnell zeigte sich jedoch dass Carleson der Aufgabe nicht gewachsen war und ein stärker Politiker nötig war um Schweden aus der Tiefphase zu führen. Bereits am 11. Mai 1875 setzte der König daher Louis De Geer als Nachfolger Carlesons ein. Edvard Carleson kehrte zurück zu seinem Amt als Richter und starb am 1. April 1884 in Stockholm.


16. November 1779: Pehr Kalm, ein Apostel des Botanikers Carl von Linné
16. November 1785: Johan Gottschalk Wallerius und die schwedische Landwirtschaft
16. November 1901: Die Nobelbibliothek der Schwedischen Akademie
16. November 1912: Volksbildung wird in Schweden zur Arbeiterbewegung
16. November 1940: Albert Engström, Humor als Ausdrucksmöglichkeit
16. November 1944: Expressen, die Zeitung gegen den Nationalsozialismus
16. November 1969: Die heutige Jakobskirche in Stockholm 

Copyright: Herbert Kårlin

Visit Göteborg!

Dienstag, 15. November 2016

Der schwedische Verein der Inserenten

Am 15. November 1924 trafen sich im Restaurant Gillet in Stockholm 36 Vertreter größerer schwedischer Firmen, die die Zukunft in der Werbung sahen, alles Persönlichkeiten, die bereits um diese Zeit sehr viel Geld für Anzeigen ausgaben und der Meinung waren dass das Geschäft mit Werbung immer unseriöser wurde und daher eine Organisation nötig sei, die sich für eine seriöse Werbung in der Presse einsetzt, allerdings nicht nur in Fragen von seriösen Anzeigen, sondern sie willen auch die Tagespresse zu einem seriösen Verhalten zwingen, die um diese Zeit der wichtigste Anzeigenträger Schwedens war.

Das erste Ziel des Vereins der Inserenten war die korrekte Auflagezahl der damals rund 200 existierenden Tageszeitungen zu erfahren damit die zu bezahlenden Insertionspreise auch mit der Menge der Zielgruppe verbunden werden konnte. Es sollte knapp zwei Jahre dauern bis die gewünschten Zahlen vorlagen, da selbst die unseriösen Zeitungen bald verstanden dass von diesen Zahlen auch ihre eigene Zukunft abhing. Bereits 1926 entstand daher das erste Handbuch für Inserenten, das sich heute zum einem Datenbuch der Mediafakten Schwedens entwickelte und ein relativ deutliches Bild der schwedischen Presse zeigt.

Nach diesem ersten Erfolg ging es dem Inserentenverein vor allem um die Anzeigen als solches und der Verein veröffentlichte ein Verzeichnis von Ausdrücken und Zitaten, die man bei Anzeigen vermeiden sollte, zum einen weil sie irreführend sein können, zum anderen aber auch weil sie werbemäßig als wirkungslos betrachtet wurden. Als dann auch jede unsinnige Werbung vom Verein der Inserenten verbannt wurde, wuchs die Anzahl der Mitglieder innerhalb von nur wenigen Jahren auf 62 Firmen an. Heute ist der schwedische Verein der Inserenten mit 600 Mitgliedsfirmen weltweit der größte Verein dieser Art und bietet den Mitgliedern selbst Ausbildung im Reklamewesen.


15. November 1668: Göran Josuæ Adelcrantz und der Fall eines Hofarchitekt
15. November 1776: Per Henrik Ling, der schwedische Vater der Gymnastik
15. November 1817: Frans Suell, ein schwedischer Kaufmann mit neuen Ideen
15. November 1849: Der Komponist und Psalmendichter Joël Blomqvist 
15. November 1859: Der schwedische Prinz Oscar (Bernadotte)
15. November 1945: Von Anni-Frid von Abba bis zur Prinzessin Reuss

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Montag, 14. November 2016

Der schwedische Künstler Olle Hjortzberg

Olle Hjortzberg kam am 14. November 1872 als Sohn eines Ingenieurs als Olof Hjortzberg in Stockholm zur Welt und zeigte seine künstlerische Neigung bereits als Schüler, denn bereits sehr früh malte er Naturbilder, die er im Buchhandel in Stockholm verkaufte. Im Jahre 1892 begann Hjortzberg dann ein Kunststudium an der Königlichen Kunsthochschule in Stockholm, das er vier Jahre später beendete. Zwischen 1898 und 1905 lebte der Künstler mit seiner Frau, dank eines Stipendiums, überwiegend in Frankreich, Italien, Griechenland und Palästina um sich dort der Malerei und dem Erlernen neuer Techniken zu widmen.

Nach seiner Rückkehr nach Schweden verwirklichte Olle Hjortzberg als erstes vier Glasfenster in der Katarina Kyrka, die die Geburt, den Tod und die Auferstehung von Jesus darstellen. Der nächste große Auftrag des Künstlers war dann die Dekoration der Klara Kyrka, wo er das Leben des Gottessohnes darstellte. Die folgenden Jahre sollte Hjortzberg mehrere Kirchen dekorieren und auch Altartafeln malen, die heute in mehreren Kirchen der Region Stockholm zu betrachten sind. Bei den kirchlichen Arbeiten Hjortzbergs entdeckt man sehr häufig den Einfluss der assyrischen Kunst mit der er sich während seiner Reisen vertraut gemacht hatte. In diesen Jahren verwirklichte der Künstler allerdings auch einige profane Arbeiten, die man heute im Rathaus in Stockholm und der dortigen Technischen Hochschule entdecken kann.

Neben seinen Aufträgen als Künstler war Olle Hjortzberg auch Lehrer an der Kunsthochschule, später Professor und ab 1920 auch Direktor und, parallel hierzu, arbeitete er als Grafiker. Hjortzberg illustrierte Bücher, schuf Vorlagen für Briefmarken und zeichnete das Plakat für die Olympischen Sommerspiele 1912 in Stockholm. Die bedeutendste Arbeit als Buchillustrator leistete Hjortzberg mit der Illustration der Bibel von Gustaf V., die 1927 erschien, jedoch nur rund 40 Jahre lang benutzt wurde. Olle Hjortzberg gilt auch als der Erneuerer der modernen schwedischen Wandmalerei, was man sehr leicht nachvollziehen kann wenn man die Dekoration der Lindebergska Schule in Lund betrachtet.


14. November 1802: Jakob von Engeström und der Mord an Gustav III.
14. November 1898: Die schwedische Schauspielerin Magda Holm 
14. November 1907: Astrid Lindgren, von Pippi Langstrumpf bis zu Emil und Ronja
14. November 1907: Astrid Lindgren und ein erfundenes Schweden
14. November 1908: Sigvard Nilsson-Thurneman, der Anführer der Salaligan
14. November 1948: Kristina Lugn, Poesie und Drama einer Außenseiterin
14. November 1994: Die nordländische Modeschöpferin Paula Fahlander
14. November 2004: Der Tag des Käsekuchen (Ostkakans dag) in Schweden

Copyright: Herbert Kårlin

Mit Stena Line nach Schweden